Wenn Kinder spielen, erscheinen
die gespielten Situationen oft genauso real oder
sogar realer als die normalen Ereignisse, die sich
außerhalb des Spiels befinden. Wenn Kinder Cowboy
und Indianer, Polizei und Räuber spielen, können sie
bei der Verfolgungsjagd genauso viel Angst bekommen,
als wenn sie
tatsächlich diese Situation erlebten.
Kinder setzen ihre Phantasie
sehr stark ein, sie benutzen all ihre Sinne, um die
Bilder, die ihre Phantasie produziert, lebendig
darzustellen. Es gibt viele Realitäten, viele
Versionen, und es dauert eine Weile, bis der Mensch
gelernt hat, sich auf einen bestimmten Ausschnitt
der Realität zu konzentrieren.
Dabei wird er oder sie dann seine/ihre Vorstellungskraft in strukturierter Weise einsetzen, um den vorherrschenden Realitätsausschnitt zu verstärken.
Kleine Kinder jedoch verfügen eine gewisse Zeitlang über eine erstaunlich phantasievolle Freiheit, die ihnen das Erleben von „alternativen“ Ereignissen ermöglicht, und zwar genauso intensiv, kräftig und konzentriert, wie sie das normale Leben erfahren.
Ein starker Tagtraum
kann viel realer erscheinen als die täglichen
Ereignisse. Wenn ein Kind spielt, spürt es seine
Gefühle des Zorns, der Freude oder der Gefahr sehr
stark. Sein Körper wird diese Zustände und Reflexe
widerspiegeln, genauso als ob sie durch reale - und
nicht „gespielte“ - Ereignisse hervorgerufen wären.
Unser Erleben passiert meistens genau dort, wo unsere Sinne, unsere Vorstellungskraft, unsere Bewegungen und unsere physische Wirklichkeit aufeinander treffen.
In Träumen jedoch meinen wir an einem ganz anderen Ort zu sein, und all unsere Sinne drehen sich nur noch um diesen Ort. Unser Erleben ist von unserem normalen Lebensbereich abgetrennt. Wir träumen vielleicht, dass wir fliegen, laufen oder rennen, aber diese Aktivitäten sind nicht mit dem Bereich, wo sich Vorstellungskraft, Bewegung und physische Wirklichkeit treffen, verbunden.
Deshalb bleibt unser Körper bewegungslos, während
wir uns woanders frei bewegen.
Man kann die Reinkarnation zum
Teil mit der gleichen Analogie erklären. Wir haben
viele Existenzen gleichzeitig, aber jede hat ihren
eigenen Lebensbereich, auf den sich ein Teil von uns konzentriert. Dieser Teil hat seinen eigenen
Namen und sein eigenes Selbst und ist sozusagen
Chef in seinem eigenen Reich.
Jedes Selbst hat seinen
unangetasteten Punkt, an dem sich
Vorstellungskraft, Bewegung und physische
Wirklichkeit überschneiden. Wie beim Rollenspiel der
Kinder finden jedoch Ereignisse in Ereignissen
statt, die alle sehr real und lebendig sind,
bestimmte Reaktionen und Aktionen hervorrufen und
alle ihre privaten
Lebensbereiche
haben.
Ein kleines Kind fährt
Karussell. Dasselbe Kind reitet zu einer anderen
Gelegenheit auf einem Spielzeugpferd und stellt sich
dabei vor, dass dieses Pferd Teil des Karussells
ist. Das Kind sieht dann im Fernsehen ein Karussell,
oder jemand erzählt ihm von einem anderen Kind, das
auf dem Spielplatz Karussell gefahren ist.
Das Kind wird völlig
eingenommen sein von der Karussellfahrt, die es
direkt erlebt hat. Es wird aber genauso fasziniert von dem imaginären Ritt auf dem
Schaukelpferd sein. Das Kind wird sich sehr von den
Bildern im Fernsehen über das Karussell beeindrucken
lassen, sicherlich mehr als von der Geschichte über
ein anderes Kind, das auf einem Spielplatz Karussell
fuhr.
In ähnlicher
Weise spiegeln sich Ereignisse in
reinkarnationsbedingten Existenzen wider. Alle Leben
geschehen gleichzeitig, genauso wie die
hypothetischen Karussell-Erlebnisse des Kindes alle
an einem Tag stattfanden.
Im reinkarnationsbedingten
Sinne können die Karussell-Erlebnisse direkt in
irgendeiner Existenz erlebt worden sein oder in
einem Traum in einer anderen Existenz oder nur als
Bild in einer weiteren Existenz oder in einer
Situation, in der lebendige Pferde, anstatt
Schaukelpferde, dabei waren. Mit anderen Worten,
Ereignisse einer Existenz spiegeln sich in einer
anderen Existenz gewissermaßen wider.
Ich will nicht sagen, dass die Ereignisse in einem Leben die Ereignisse in einem anderen verursachen, aber es gibt ein allgemeines Muster - eine Reihe von möglichen Ereignissen -, und jeder Mensch wählt in jedem Leben die Ereignisse, die seinem/ihrem ganz persönlichen Sinn und Zweck entsprechen.
Aber diese Leben sind alle verbunden.
Es ist jedoch nicht das
Schicksal des Menschen, in einem Leben für die
Missetaten aus einem anderen Leben zu leiden. Der
Grund und der Sinn für die eigene Existenz kann
direkt im Leben selbst gefunden werden.
Viele Anhänger der
Reinkarnationslehre sind fest davon überzeugt, dass
Krankheit im gegenwärtigen Leben oftmals
seine Wurzeln in einer "vergangenen" Existenz hat und
dass eine Rückführung notwendig ist, um die Gründe
für gegenwärtige Erkrankungen oder Dilemmas
aufzudecken.
Es gibt auch eine
konventionelle, stereotype Version des Karma-
Gedankens, dem solche Glaubensüberzeugungen zugrunde
liegen.
Demnach werden wir in diesem Leben für Fehler in einem vergangenen Leben bestraft, oder wir machen jetzt einen Fehler wieder gut, den wir vor Tausenden von Jahren begangen haben.
Alle reinkarnationsbedingten Existenzen eines
Menschen sind miteinander verbunden - aber die
Ereignisse in einem Leben sind
nicht die
Ursache für bestimmte Ereignisse im nächsten
Leben.
Ich will nochmals daran
erinnern, dass die Zeit gleichzeitig abläuft, so
dass der verworrene Glaube daran, dass man im
Jetzt für eine vergangene Tat als Vergeltung
bestraft wird, eigentlich bedeutungslos ist, da
angesichts der Gleichzeitigkeit alle
Handlungen auch gleichzeitig geschehen.
Wir haben vielleicht
irgendwelche Gründe für eine bestimmte Erkrankung,
die nichts mit Schuld und Sühne zu tun haben,
sondern vielmehr mit einer außerordentlichen Neugier
oder einem Wunsch nach einer etwas unkonventionellen
Erfahrung, die manchmal exotisch oder fast schon
grotesk sein kann.
Jedes Leben, unabhängig von seiner Natur, besitzt seinen unverwechselbaren Ausgangspunkt; der/die einzelne mag manchmal eine seltsame oder langwierige Krankheit annehmen, nur um etwas zu erfahren, was andere sicherlich meiden würden.
Die/der Betreffende hat sich vielleicht diesen
Ausgangspunkt ausgesucht, um die Welt mit anderen
Augen betrachten zu können und Fragen zu stellen,
auf die sie/er von einem anderen Blickwinkel aus nicht
gekommen wäre.
In einem anderem Leben geht es
vielleicht um Gesundheit und Lebenskraft, in einem
weiteren um die Kunst der Heilung - aber insgesamt
werden gesundheitliche Probleme an sich
selten als reinkarnationsbedingte Themen gewählt,
auch wenn das der Fall zu sein scheint, wenn jemand
in eine große Gemeinschaft von armen,
unterprivilegierten Menschen hineingeboren wird.
Wenn wir gesundheitliche Probleme haben, ist es weitaus besser, die Gründe dafür in unserem unmittelbaren Leben zu suchen, anstatt sie an irgendeinem Ereignis in ferner Vergangenheit festmachen zu wollen.
Die Gründe für
Erkrankungen sind fast immer im gegenwärtigen Leben
zu suchen - auch wenn vergangene Ereignisse aus der
Kindheit ursprünglich ein ungesundes Verhalten
hervorgerufen haben, sind es doch die gegenwärtigen
Glaubensüberzeugungen, die alte Verhaltensmuster
beeinflussen.
Wir müssen erkennen, dass wir unsere eigene Wirklichkeit durch unsere Glaubenssätze selbst gestalten.
Daher müssen wir verstehen, dass eine bestimmte Erkrankung nicht ein Ereignis ist, das uns aufgezwungen wird.
Es gilt zu erkennen, dass unser
Dilemma oder unsere Krankheit gewissermaßen von
uns gewählt wurde und dass diese Wahl in
kleinen, äußerlich nicht zusammenhängenden Schritten
vollzogen wurde. Unsere Wahl hat zu unserem jetzigen
Dilemma, welcher Natur auch immer, geführt.
Wenn wir erkennen, dass unsere
Überzeugungen unsere Erfahrungen beeinflussen, dann
haben wir eine hervorragende Gelegenheit, diese zu
verändern und damit auch unsere Erfahrungen.
Die Gründe für die Wahl unserer Schwierigkeiten oder Erkrankungen können wir dadurch aufdecken, dass wir absolut ehrlich mit uns selbst sind.
Es gibt keinen Grund, sich schuldig zu fühlen,
da wir nach
bestem Gewissen gehandelt haben - nur
basierten die Entscheidungen auf
Glaubensüberzeugungen und nicht auf
Tatsachen.
Vielleicht hast du eine ernsthafte
Krankheit, die aus dem Nichts aufgetaucht ist; es
erscheint dir höchst unwahrscheinlich, dass deine
eigenen Glaubensüberzeugungen irgendetwas mit dieser
schrecklichen Krankheit zu tun haben.
Oder du befindest dich eventuell
gerade in einer oder mehreren äußerst
unbefriedigenden Beziehungen, an denen du keinerlei
Schuld hast; im Gegenteil, du fühlst dich eher wie
ein unfreiwilliges Opfer.
Du hast möglicherweise ein
großes Drogen- oder Alkoholproblem, oder du bist
mit jemandem verheiratet, der/die ein solches
Problem hat.
In allen Fällen haben deine
Glaubenssätze zu dieser Situation beigetragen, auch
wenn dies zunächst unwahrscheinlich erscheint.
In den meisten Fällen
entspringen die schlimmsten Krankheiten oder
kompliziertesten Lebensumstände und Beziehungen, die
unüberwindlich erscheinen, dem tiefen Bedürfnis nach
Wachstum und Reife.
Der/die einzelne strebt
meistens nach einem Ziel, das blockiert erscheint,
so dass er/sie alle Energie und Kraft aufwendet, um
dieses Hindernis zu umgehen. Aber dieses Hindernis
ist normalerweise eine Glaubensüberzeugung, die
verstanden und beseitigt anstatt umgangen werden
will.
In diesem Text ist nicht nur
die körperliche Gesundheit gemeint; es geht auch um
die geistige, spirituelle und emotionale Gesundheit.
Wir sind beispielsweise nicht wirklich gesund, auch
bei guter physischer Kondition, wenn unsere
Beziehungen ungesund, unbefriedigend und
frustrierend sind. Wie auch immer unsere Situation
ist, es wäre hilfreich, sich selbst zu fragen, was
wir
tun würden, wenn wir dieses Problem nicht
hätten.
Die Frau eines Alkoholikers wünscht sich vielleicht sehnlichst, dass ihr Mann aufhört zu trinken; aber wenn sie sich selbst fragt, was sie dann tun würde, steigt in ihr vielleicht - erstaunlicherweise - ein Gefühl der Panik hoch.
Wenn
sie ihre Gedanken und ihre Geisteshaltung näher
untersucht, stellt sie möglicherweise fest, dass sie
dermaßen Angst davor hat, ihre eigenen Ziele nicht
erreichen zu können, dass sie eigentlich den
Alkoholismus ihres Mannes unterstützt, um nicht mit
ihrer eigenen „Niederlage“ konfrontiert zu werden.
Diese hypothetischen Situationen
sollen ein kurzes Beispiel dafür sein, was gemeint
ist, ohne die unzähligen anderen
Glaubensüberzeugungen und Halbwahrheiten zu
berücksichtigen, die eine Beziehung zwischen Mann
und Frau ausmachen.
Dieser Text basiert auf der Seth-Sitzung vom 22.5.1984
Weitere Seth-Literatur von Jane Roberts: