Die Töchter der Großen Göttin

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1. Empfängnisverhütung bei Naturvölkern

2. Das Rätsel der „vorehelichen Promiskuität ohne Empfängnis“

3. Kulturen und Örtlichkeiten, in denen pflanzliche Verhütungsmittel benutzt wurden /Quellenangaben

 

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Schlange

Da die Schlange ihre alte Haut abstreift, Winterschlaf hält und im Frühjahr wieder erscheint, galt sie bei unseren VorfahrInnen als Symbol der Erneuerung und Wiedergeburt.

Die GriechInnen nannten die abgelegte Haut der Schlange geras, "Altersschwäche". Die ChinesInnen stellten sich die Auferstehung vor wie eine Person, die ihre alte Haut aufschlitzt und, der Schlange gleich, als Jugendliche daraus hervorgeht. Die MelanesierInnen sagen, "die Haut abzustreifen" bedeutet ewiges Leben.

In dem italienischen Ausdruck aver piu anni d'un serpente - "Älter sein als eine Schlange" sind ewiges Leben und Schlangendasein immer noch aufeinander bezogen.

"Schlange des Nils" war nicht nur der Titel Kleopatras, sondern aller ägyptischen Königinnen.

Die alterslose Schlange wurde ursprünglich mit der Spirale, dem kosmischen Symbol der Lebensenergie, gleichgesetzt.

Aus dem Hinduismus kennen wir die Kundalini, die innere weibliche Seele der Menschen, die sich schlangenhaft zusammengerollt im Becken befindet und durch die richtige Yoga-Praxis dazu gebracht wird, sich zu entrollen und durch die Chakren zum Kopf hin aufzusteigen und so Erleuchtung zu bringen. (Siehe auch die Abb. der kretischen Schlangengöttin in Yoga-Haltung.)

Die alte ägäische Welt verehrte in erster Linie Frauen und Schlangen. Bis zum Ende der Bronzezeit nahmen Männer an den religiösen Zeremonien nicht teil!

Allmählich machten sich aber die dominatorischen Eroberer breit und es entstanden in verschiedenen Gegenden auch deren männliche Gottheiten. Auf babylonischen Walzensiegeln ist dargestellt, wie die "Herrin der Schlangen" über ihrem Gemahl, dem Gott Pazuzu, ("Der mit dem Schlangenpenis") hockt. Als Herr des Todes opferte er sich selbst, um von der Göttin verschlungen zu werden.

Das Bild von der männlichen Schlangengottheit, die von der weiblichen umschlossen und verschlungen wird, ließ eine sonderbare Vorstellung vom Sexualleben der Schlangen aufkommen; sie wurde von Plinius geschildert und noch bis ins 20. Jahrhundert in Europa ernsthaft geglaubt: das Schlangenmännchen sollte seinen Kopf in das Maul seiner Partnerin stecken und sich von ihr auffressen lassen.

Die männliche Schlangengottheit wurde zum phallischen Gatten der Großen Mutter, manchmal galt er als "Vater" der Menschheitsvölker, weil er der ursprüngliche Gefährte der Mutter war. In manchen Mythen war er nicht mehr als ein lebendiger Phallus, den sie sich zu ihrem sexuellen Vergnügen geschaffen hatte.

Als dieser Schlangen-Schöpfer sich in seiner Überheblichkeit zu der Behauptung verstieg, das Universum allein geschaffen zu haben, bestrafte ihn die Göttin, indem sie ihn mit der Ferse zermalmte und ihn in die Unterwelt verbannte.

Auf dieser Version des Schöpfungsmythos gründeten die Juden ihre Meinung, dass Evas Nachkommenschaft der Schlange den Kopf zertritt; auf ihr beruhte auch die rabbinische Ansicht, die Schlange sei der erste Geliebte der Eva und der wahre Vater des Kain gewesen.

Tatsächlich wurde die Schlange in Palästina schon verehrt, lange bevor es den Jahweh-Kult gab. Die frühen Hebräer über nahmen den Kult des zu ihrer Zeit überall verehrten Schlangengottes; die Angehörigen des jüdischen Priesterstammes der Leviten nannten sich "Söhne der großen Schlange Leviathan". Der Leviathan ("Der sich Windende") wurde gemeinsam mit seiner Göttin, der Mondin verehrt.

Die Schlangenverehrung wurde auch später noch in Israel fortgesetzt. Jüdische Münzen aus dem ersten und zweiten Jahrhundert v. Chr. zeigen Jehovah als Schlangengott.

In vielen gnostischen Schriften wird die Schlange des Paradieses dafür gepriesen, dass sie der Menschheit gegen den Willen eines tyrannischen Männer-Gottes, der die Menschen in Unwissenheit halten wollte, das "Licht" des Wissens gebracht hat.

Hypostase der Archonten

Dieses gnostische Evangelium heißt übersetzt "Wirklichkeit der Herrscher" und wurde um das 3. Jahrhundert n.Chr. geschrieben. Es enthält eine alternative Version des Mythos von Adam und Eva. Die Hypostase der Archonten offenbart,  dass die Schlange ein Totem (*) der Göttin war. Letztere hatte offenbar Mitleid mit ihrer schicksalsgeschlagenen Kreatur und unterrichtete sie, wie ewiges Leben zu gewinnen sei.

(Kurzinfo "Gnosis")

* [tierisches, pflanzliches Wesen oder Gegenstand, als zaubermächtiger Helfer verehrt, darf nicht getötet oder verletzt werden]

Und in dem Evangelium heißt es weiter: "Das weibliche Prinzip der Spiritualität kam von der Schlange, der Unterweiserin, und sie lehrte Eva und sprach: Ihr werdet nicht sterben, denn es war aus Eifersucht, was er (der tyrannische Gott) euch da sagte. Im Gegenteil werden eure Augen geöffnet werden und ihr werdet den Göttern gleich werden und Gut und Böse unterscheiden."

Und daraufhin verfluchte "der anmaßende Herrscher" (Gott) die Schlange und die Frau.

[Nachzulesen bei Elaine Pagels: Versuchung durch Erkenntnis. Die gnostischen Evangelien.]

Einige gnostische Sekten verehrten sowohl Eva als auch die Schlange wegen ihrer Bemühungen um die Menschheit. Und viele gnostische Traditionen setzten die Schlange mit Jesus gleich.

Die augenblickliche Form der biblischen Geschichte ist offensichtlich eine oft revidierte Version der ursprünglichen Erzählungen von der Großen Mutter und ihrer Schlange.

Ein Beispiel, wie die Kirchenmänner die Mythen für ihre Zwecke "drehen":

Im Frankreich des 13. Jahrhunderts wurde eine dem Christusbild ähnelnde Schlange an einem Stab in der Osterwoche im Triumphzug zum Taufbecken der Kirche getragen. Manchmal war der Fetisch eine riesige ausgestopfte Schlange in der Art eines chinesischen Festdrachens. Die Kirchenmänner versuchten, diesen Brauch umzudeuten, indem sie behaupteten, die Schlange sei der Teufel, "der durch die Passion Christi aus seinem Königreich vertrieben wurde". Eine schwache Erklärung für einen Ritus, der bereits ein ehrwürdiges Alter hatte, als das Christentum noch in den Kinderschuhen steckte.

[Nachzulesen bei Jacobus de Voragine: Legenda Aurea. Das Leben der Heiligen. Aschaffenburg, 1986, Pattloch]

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